ÖVP 46,3%, SPÖ 29,1%, FPÖ 10,5%
Warm anziehen - Zwischenbilanz und neue Mitteilungen des Textiltheaters / Politische T-Shirts.
 

Der Wahlkampf kommt in seine heiße Phase, aber danach steht uns allen eine kalte Zeit bevor. Um sich in dieser gleichsam mit demokratisch gewählter Weisheit warm einkleiden zu können, gibt´s jetzt auch Langarm-T-Shirts; allerdings nur in der unschuldigen Farbe Weiß (um öS 250.-), da andere Farben wie Blutend-rot, Trauerschwarz oder Rauschblau nicht lieferbar sind: wir beziehen unsere langärmligen Leiberl aus dem in den letzten Jahren immer mehr und immer diametraler beschworenen „Ausland", und da sind diese Farben nicht zu haben. Für jene, die es für ratsam halten, sich noch wärmer anzuziehen - womöglich so warm, daß sie darunter zu schwitzen beginnen -, halten wir auch Sweat-Shirts auf Lager, in Weiß, Naturweiß, hoffnungsvollem Sonnenblumengelb und leuchtendem Solidaritäts-Rot (Weiß öS 350.-, alle anderen Farben öS 400.-). Auch die Sweat- sowie Langarm-Shirts sind gleich gestaltet wie die T-Shirts: dezente Textquadrate oder plakative Textflächen auf der Brust - man hat bei uns weiterhin freie Wahl.
Als Sprach- bzw. Spruchwahl haben wir auch den T-Shirt-Verkauf ausgewertet. Dabei hat sich - einige werden das überraschend finden - die ÖVP als die coolste Sprachpartei herausgestellt. Sie führt in unserer Sprachwahl überlegen mit 46, 3%, vor der SPÖ mit 29,1% und der FPÖ mit 10,5% (LIF und KPÖ je 6 %, Grüne und CSA je 1%). Der „skrupellose Maulheld" (Zitat Reinhold Lexer) Jörg Haider ist also bei weitem nicht der Politiker mit den geilsten Sprüchen und seine Partei dementsprechend weit abgeschlagen.
Als der mit Abstand wortgewaltigste Politiker erwies sich Andreas Khol, der allein 20,5% für die ÖVP einfuhr. Gefolgt von Renate Brauner von der SPÖ mit 7,3%. Khol ist nach unserer Auswertung somit der vorläufige Sprachbundeskanzler, Renate Brauner seine Vizekanzlerin. Erst danach kommt Jörg Haider, knapp vor dem Grazer Kommunisten Franz Stephan Parteder und Bundeskanzler Klima. Diese fünf und außerdem die ÖVP-Politiker Erich Pöltl, Wolfgang Schüssel und Franz Schausberger und die SPÖler Andreas Rudas, Michael Häupl und Karl Schlögl würden unser Kabinett der besten Sprachköpfe bilden.
Der Spruch, der Khol an die einsame Spitze hievte, lautet: „Wer das Klarinettenspiel lernt (Anm. im Verein), wird nicht drogensüchtig"; aber auch seine Sprüche „Jeder von uns war schon einmal beim Papst" und „Singles sterben früher" landeten weit vorne. Das zweitbeliebteste Zitat bisher ist Renate Brauners „Wir haben uns die Veränderung der Welt viel leichter vorgestellt, als sie in der Praxis ist", das drittbeliebteste Franz Stephan Parteders „Der Kommunismus ist auch ein steirisches Phänomen". Die weitere Wertung: „Wir tun jetzt mit dem neuen Statut alles, damit Männer sich ändern." (Andreas Rudas, SPÖ); „Seit März 1998 oder länger habe ich eine Linie" (Wolfgang Schüssel, ÖVP); „Ich laß mir nicht die Hausfrauen zu Auslaufmodellen erklären" (Franz Schausberger, ÖVP); „Natürlich werden Polizisten und Gendarmen an höheren moralischen Maßstäben gemessen." (Karl Schlögl, SPÖ); „Ich habe unlängst in einem Restaurant Wasser aus Südtirol serviert bekommen, was für mich persönlich ein Wahnsinn ist." (Erich Pöltl, ÖVP); „Wir müssen jetzt unseren österreichischen Weg der Brillanz gehen" (Johannes Farnleitner, ÖVP); „Ich weiß, wie sehr Ihr unter dem Sparpaket gelitten habt." (Viktor Klima, SPÖ); „Herr Nitsch malt sicher interessante Schüttbilder." (Jörg Haider, FPÖ); „Ich habe das als Metapher gesagt, damit jeder weiß, daß es nicht wörtlich zu nehmen ist." (Karl Schnell, FPÖ).
Das ist allerdings eine vorläufige Wertung. Denn das Textiltheater geht weiter, auch in Zeiten, deren kalter Wind uns derzeit ins Gesicht weht, in denen einerseits „kein Stein auf dem anderen bleiben soll" und andererseits „nicht alles anders, aber vieles besser gemacht werden soll".