Politische-T-Shirts-Homepage
vom Land Kaernten gesperrt
"Wir wollen
diese Dinge weg"
Hans Joerg
Schimanek, FPÖ (Politisches T-Shirt Nr. 235)
Seit Beginn meiner Aktion
"Politische T-Shirts / Textiltheater" im August des Vorjahres habe ich
die dazugehoerige Website (www.buk.ktn.gv.at/sisyphus), die ein wichtiger
Bestandteil der Aktion ist, am offiziellen Kulturserver des Landes Kaernten
abgelegt. Am vergangenen Freitag, dem 25. 8., um 12 Uhr erreichte mich
eine Mitteilung vom - fuer den Server zustaendigen - Landesmedienzentrum,
daß meine Website gesperrt werde, mit der Begruendung, ich haette
eine "direkte kommerzielle Verkaufsseite von bedruckten T-Shirts eingerichtet"
und "nach den Richtlinien des Landes Kaernten sind solche kommerziellen
Vertriebslinien ueber das Internet von Privaten nicht moeglich". Kurz darauf
war meine Website tatsaechlich gesperrt - und zwar nicht nur fuer die Oeffentlichkeit,
sondern auch fuer mich, sodaß ich selbst mit meinem Passwort keinen
Zugang zu meiner Homepage mehr habe - und sie soll solange gesperrt bleiben,
bis ich "eine Aenderung per Diskette" in dem Amt deponiere, mit dem abschließenden,
sprachlich aufhorchen lassenden, Hinweis: "damit ein solcher Vorgang unterbunden
wird".
Ueber den Umstand hinaus,
daß unter solchen Richtlinien die Nutzbarkeit eines Servers fuer
kulturelle Aktivitaeten, fuer die der Server ja eingerichtet wurde, aeußerst
beschraenkt, wenn nicht ueberhaupt fragwuerdig ist - waere damit ja auch
beispielsweise der Vorverkauf von Theater- oder Konzertkarten untersagt
-, ist dabei interessant, daß ich von diesen Richtlinien noch nie
gehoert habe - und ich vermute, daß sie bisher gar nicht existierten.
Nun koennte man freilich behaupten, ich betriebe unter dem Titel "Politische
T-Shirts / Textiltheater" gar keine Kunstaktion, sondern einen virtuellen
T-Shirt-Laden - was ja in der Formulierung "kommerzielle Verkaufsseite
von bedruckten T-Shirts" zumindest anklingt -, dieser Vorwurf waere aber
schnell zu widerlegen: Es werden im Rahmen der Aktion zwar T-Shirts verkauft
- und konnten natuerlich auch ueber die Homepage geordert werden -, dies
ist jedoch ein wesentlicher Bestandteil der Aktion, ohne ihn waere
sie konzeptuell ganz etwas anderes und darueberhinaus gar nicht durchfuehrbar.
Der Verkauf dient ausschließlich der Aktion und diese war von Anfang
an per se als kuenstlerische Aktion angelegt und wurde auch ueberall als
solche aufgefaßt: so ist sie im Vorjahr aus dem Kunstfoerderungsbudgets
des Bundeskanzleramtes durch Bundeskurator Wolfgang Zinggl subventioniert
worden, fanden Praesentationen und Ausstellungen in Kunst-Institutionen
(Kuenstlerhaus Klagenfurt, Depot, Werkstadt Graz, Theater Phoenix) statt,
fuehrte das Theater Phoenix in Linz die Zitatensammlung in Lesungsinszenierungen
auf und alle Medien besprachen "Politische T-Shirts / Textiltheater" durchwegs
als Kunstaktion - und zwar auf den Kulturseiten und
in Kultursendungen.
Außerdem, koennte
man nicht ohne bittere Ironie hinzufuegen, zeigt sich der Kunstcharakter
der Aktion schon dadurch, daß ich durch sie bei Gott nicht reich
werde, ja auch nicht davon leben koennte - denn um ueber ein einem wirtschaftlichen
Projekt entsprechenden Produktions- und Werbebudget zu verfuegen und diesem
angemessene Strukturen aufbauen zu koennen, muesste ein solches Projekt
aus dem Wirtschaftsfoerderungsbudget und nicht ueber die Kunstfoerderung
finanziert werden. (Dies kaeme, wie immer in der Kunst, kommerziellen Nachfolgern
zu, welche die Idee aufgreifen und marktgerecht zurichten.)
Darueberhinaus ist die Homepage
so angelegt, daß sie eine Unmenge von Informationen zur Aktion, zu
den in ihrem Rahmen stattfindenden Veranstaltungen, den Katalog, Entwuerfe
und vor allem eine Menge politische Zitate beinhaltet - die als Sammlung
die Partitur des Textiltheaters bilden, worueber die Homepage auch
keine Zweifel laesst, sondern es an exponierten Stellen und in plakativen
Lettern dem Betrachter geradezu entgegenruft. Der T-Shirt-Verkauf ist natuerlich
integriert, steht aber kaum im Vordergrund. Vielmehr hat es sich gezeigt,
daß in der Rezeption die Beschaeftigung mit den Zitaten den Hauptteil
ausmacht und auch in der Produktion nimmt die Beobachtung der politischen
Landschaft und Sprache sowie die Bearbeitung der Partitur, die staendig
der aktuellen politischen und politisch-sprachlichen Wirklichkeit angepaßt
wird, den vielleicht wichtigsten Platz ein.
All dies beachtend noch
immer von einer "kommerziellen Verkaufsseite" und "Vertriebslinie" zu sprechen,
koennte auf erschreckende Uninformiertheit der Verantwortlichen fuer einen
Kulturserver schließen lassen, aber wenn, dann gepaart mit
Ignoranz, denn sonst haette man sich bei mir ueber das Wesen der Aktion
und Website erkundigt, bevor man letztere sperrte. Und auf eine eklatante
Denkfaulheit oder auch auf eine geradezu besonderes Talent zum Mißverstaendnis.
Aber ich fuerchte, es ist noch viel schlimmer: Ich habe naemlich den Verdacht
- und mehr als ein Verdacht kann es wohl nicht sein, denn ich kann das
natuerlich nicht beweisen -, daß sich niemand ernsthafte Sorgen macht,
ich wuerde mit meinen T-Shirts einen gutgehenden Handel betreiben und dabei
unter dem Deckmantel der Kunst noch schamlos Gratis-Kultur-Webspace ausnuetzen,
sondern daß es vielmehr darum geht, den Zugang zu meiner Zitatensammlung
zu erschweren. Denn immerhin habe ich unter anderem in meiner Aktion -
das glaube ich, ohne anzugeben, sagen zu koennen, und auch viele der Besucher
der Website haben das in E-Mails so bekundet - eine der vergnueglichsten
und gleichzeitig erschreckendsten Politiker-Zitatensammlungen dieses Landes
oeffentlich zugaenglich gemacht. Sicherlich kann ich meine Website an einer
anderen Adresse ablegen, aber einerseits ist das laestig, andererseits
kostet's wahrscheinlich was und vor allem ist die Adresse seit einem Jahr
eingefuehrt und viele User werden den Zugang bei Adressenaenderung verlieren.
Damit kann man den eineinhalb Jahren Arbeit (Zitate sammeln habe ich Fruehjahr
99 begonnen), die ich die Aktion investiert habe, und ihrer Fortfuehrung
am besten schaden. Wie gesagt, es ist nur ein Verdacht. Tatsache ist jedenfalls,
daß ich am 24. 8. am Nachmittag nach der Lektuere des Berichtes ueber
Ewald Stadlers und noch eines FPOE-Politikers, dessen Namen ich vergessen
habe, Trip nach Bagdad im Standard-Online ein Stadler-Zitat (Egal in welches
islamische Land man blickt: die Fundamentalisten sind auf dem Vormarsch.
Politisches T-Shirt Nr. 281) gepostet und dazu die Homepage-Adresse angegeben
habe - zum Nachlesen weiterer Zitate für Interessierte. Und am 25.
8. zu Mittag, kurz bevor der Beamte - der sich verstaendlicherweise ein
Gespraech mit mir ersparen wollte - ins Wochenende ging, habe ich die Mitteilung
ueber die Schließung der Website mit der erwaehnten Begruendung gekriegt
und gleich darauf war die Website geschlossen. (Ein findiger Standard-Online-Leser
hat dann auch in seinem Posting gleich gefragt, ob der URL erst seit
heute nicht mehr zugaenglich ist, was ich bestaetigt und angeboten
habe, die Zitatensammlung an meiner E-Mail-Adresse anzufordern.)
Aus meiner Sicht kann der
angegebene Grund für die gleichsam in eingreifstruppenhaften Stil
- als gaelte es, ein Verbrechen zu unterbinden - durchgefuehrte Schließung
meiner Homepage einer genaueren Betrachtung in keiner Weise standhalten,
es sei denn, es kaeme den verwaltenden oder politisch verantwortlichen
Stellen von Kulturfoerderungseinrichtungen bereits ohne die Konsultation
von einschlaegigen und anerkannten Experten zu, zu unterscheiden, was Kunst
ist und was eine wirtschaftliche Unternehmung, was Kunst ist und was nicht.
Und so weit sind wir gottseidank - noch - nicht. Allein in Kaernten, scheint's,
kann man sich da nicht mehr sicher sein.