Dass in dem Seminarhotel nur lauter Esoterikseminare abgehalten
werden, hat der Bürgermeister ja auch nicht wissen können. Aber
blöd ist es halt schon, weil wir hamms jetzt da, die ganzen bloßfüßigen
Esoterikdeppen. Die Männer mit einem Bart wie ein Räuberhauptmann
und langen Haaren wie ein Reservechristus und die Weiber mit langen Röcken,
als ob sie zum Hamstern gekommen wären und eine halberte Sau verstecken
müssten. Sicher, die Straßen sind schon viel sauberer, wenn
wieder einmal ein Seminar ist, weil die Esoterikweiber mit ihren Fetzen
den ganzen Dreck von der Straße wegkehren. Unser Gemeindesekretär
hat sogar einmal ein Büchl mit „Tipps für Kurzwanderungen" für
die Seminarteilnehmer zusammengestellt. Die Wege waren so ausgeklügelt,
dass die Esoteriker im ganzen Ort herumkommen und den Dreck zusammenkehren.
Alle empfohlenen Kurzwanderungen haben auf dem Gemeindebauhof geendet.
Dort hätte man die Esoterikweiber nur über einem Container ordentlich
ausklopfen müssen, und der ganze Dreck wäre beieinander gewesen.
Aber selbst dazu sind die Esoteriker und ihre Weiber nicht zu brauchen.
Die sind immer kreuz und quer herumgelatscht und haben den Straßendreck
nur gleichmäßig im Ort verteilt. Jetzt muss der Straßenmeister
erst wieder alles mit dem Reinigungswagen wegspülen.
Und überhaupt hat die Gemeinde viel mehr Schererein mit den Esoterikern,
als sie Nutzen aus dem Seminarhotel zieht. Denn Wirtschaftsfaktor sind
die weiß Gott keiner. Erstens haben die meisten kein Geld, und zweitens
glaubens sowieso, dass bei uns alles gratis ist. Der Königshofer Alois,
dem sein Hof ist gleich neben dem Seminarhotel, hat mir erzählt, dass
die Esoteriker dauernd bei ihm im Hof sitzen und einen Most nach dem anderen
saufen. Aber statt, dass einer einmal ein paar Hunderter auf den Tisch
legt, damit der Königshofer auch ein bisserl ein Gschäft macht,
sagen sie ihm immer nur, dass er so eine klasse Aura und so ein super Karma
hat. Da kriegst aber nix drum um so eine Aura, und ein Karma kannst auch
nicht in Scheiben schneiden und auf dem Bauernmarkt verkaufen.
Früher haben die Esoteriker in der Nacht sogar die Erdäpfel
ausgegraben und gleich roh gegessen, wegen der geballten Erdenergie, wie
mir mal einer von denen erzählt hat. Die Bauern rundherum haben schon
angefangen Fangeisen auszulegen, damit sie einmal einen von den Hunden
erwischen. Aber der Bürgermeister war dagegen. Stattdessen, so hat
er gemeint, sollten wir ein paar leere Kunstdüngersäcke herumliegen
lassen, weil Kunstdünger scheut der Esoteriker wie der Teufel das
Weihwasser. Der Franz hat damals vorgeschlagen, dass man zur Abschreckung
ein paar Esoteriker zum Abschuss freigeben sollte, eh nur ein paar von
den älteren, damit wir keine Probleme mit der Jagdaufsicht bekommen.
Aber das mit den Kunstdüngersäcken hat dann eh funktioniert.
Ein Glück hamms schon auch oft, die Gfraster.
Mir persönlich sind die Esoteriker ja ziemlich wurscht. Zu mir
kommt sowieso nur ganz selten einer herauf, und wenn sich wirklich einmal
einige verirren, sag ich ihnen einfach, dass da bei mir heroben lauter
negative Erdstrahlen sind. Da sinds dann gleich wieder weg, gerade dass
sie sich nicht gegenseitig auf die Fersen steigen, so rennen sie. Außer
natürlich es sind ein paar fesche Weiber dabei, dann erzähle
ich ihnen, dass drüben in der Steinleitn eine alte keltische Kultstätte
ist, dort hätten die Kelten ihren Göttern Tieropfer dargebracht,
und wenn sie möchten, könnten sie sich ein paar von den Steinen
zusammenklauben, mit denen die Kelten die Viecher erschlagen haben – schon
wegen der okkulten Schwingungen. Wenn sie dann drüben in der Steinleiten
sind und sich ihre Steine zusammensuchen, hol ich mir den Gucker und schau
den Weibern auf den Arsch. So sind die Esoteriker doch auch für was
gut. Sie klauben mir die Steine aus der Leiten und obendrein komm ich zu
einer kleinen voyeuristischen Freude.