Bimbo
 

»Das Bild ist Ihnen wirklich reizend gelungen«, flötete die gnädige Frau und warf einen zufriedenen Blick auf das Pastellporträt. »So zart und duftig! Wie ein Greuze. Nur…«, leise Mißbilligung schlich sich in ihre Stimme ein, »…die Perlen…verehrter Meister, die Perlen kommen nicht zur Geltung. Man sieht nicht, wie groß und tadellos geformt sie sind. Könnte man nicht?…«
Ich seufzte ergeben. »Gnädige Frau, Sie betonten eben selbst das Greuzehafte des Bildes. Und Sie wissen, daß Greuze auf die Schlichtheit seiner Bilder und Modelle posierte.«
(Sie wußte es bestimmt nicht, aber das konnte ich ihr doch nicht sagen.)
»Ja, aber…auf alten Bildern kommen Stoffe und Juwelen so gut zur Geltung. Es gibt da ein letztes Abendmahl…« Sie schaute mich erwartungsvoll an.
Dumme Gans, du meinst Veronese - dachte ich grimmig bei mir. Da ich es mir jedoch finanziell nicht leisten konnte, einen meiner wenigen Käufer zu verscheuchen, entgegnete ich wahrheitsgetreu: »Ja, gnädige Frau, es gibt…«
Die Antwort schien ihr zu genügen. Sie lächelte herablassend, murmelte: »Also morgen um die gleiche Zeit«, und verschwand.
Ich nahm das Bild von der Staffelei. Ein Greuze, ja, ebenso unecht, so seicht und verlogen, wie ein echter Greuze. Nein, noch verlogener, denn es ist ja immerhin möglich, daß die Modelle von Greuze so ausgesehen haben, wie er sie malte; ich aber habe meinem Modell die Last von mindestens fünfzehn Pfund und zwanzig Jahren abgenommen.
Ärgerlich stellte ich den widerlichen Kitsch auf den Fußboden und begann, um mich zu trösten, mit Kohle die wahre gnädige Frau auf ein Blatt Papier zu zeichnen. Hätte sie dieses Bild gesehen und mich daraufhin erschlagen, das Gericht würde ihr unbedingt mildernde Umstände zugebilligt haben.
Da kam Bimbo aus einer Ecke gekrochen, der seidige, langhaarige Skyterrier mit den herrlichen Augen, der mein bester Freund ist. Bimbo streckte sich, gähnte laut, zottelte dann auf seinen kurzen Beinen zum Porträt der gnädigen Frau, besah es genau und - und machte eine nicht mißzuverstehende Gebärde mit dem linken Hinterbein.
Da ich zwar mit seiner Kritik, aber nicht mit der Art, wie er sie ausdrückte, einverstanden war, gab ich Bimbo mit dem Malstock einen Schlag; nur einen, das Bild war wirklich verdammt schlecht. Er warf mir einen verächtlichen Blick zu und zog sich dann mürrisch wieder in seine Ecke zurück.
Später, als wir spazieren gingen, gab es zwischen uns abermals Uneinigkeiten. Ich wollte in der Stadt Zigaretten kaufen, Bimbo hingegen empfand den Wunsch, in den Anlagen umherzuschlendern und mit anderen Hunden teils zu raufen, teils ein liebenswürdiges Gespräch zu pflegen.
Ich rief, ich pfiff; vergeblich. Bimbo wedelte freundlich und lief in die entgegengesetzte, in seine Richtung.
Zorn kam mich an. Ich eilte Bimbo nach, packte ihn erbarmungslos beim Halsband und schleppte ihn so ein Stück vor. Bimbos herrliche Augen flehten: »Laß mich doch los! Schau, dort drüben geht Fräulein Kitty, die junge Dame, deren Gatte zu sein ich voriges Jahr die Ehre hatte. Ich muß ihr doch guten Tag sagen. Was wird sie von mir denken?«
Und mein Bimbo zerrte und zog und wollte sich losreißen. Da holte ich die Leine aus der Tasche und hängte ihn an.
Mißmutig ergab er sich in sein Schicksal. Während des ganzen Weges gönnte er mir keinen einzigen Blick und reagierte auf keines meiner versöhnlichen Worte.
Beim Mittagessen stahl er mir, als ich in die Zeitung vertieft war, die Wurst vom Teller, was ihm, denn ich war äußerst hungrig, abermals einen Schlag eintrug.
Nach diesem Vorfall war unser Verhältnis dermaßen gespannt, daß er mich am Abend allein ausgehen und sich weder durch Drohungen noch Schmeicheleien hinter dem Bett hervorlocken ließ.
Die letzte Kränkung fügte ich ihm bei meiner Heimkehr zu. Das Zimmer war dunkel und ich warf mich, müde und verstimmt, ohne das Licht anzuknipsen, in meinen Lehnstuhl. Ein jämmerliches Winseln ließ mich auffahren: ich hatte mich mit meinem ganzen Gewicht auf den armen Bimbo gesetzt!
Nun war es für heute endgültig aus mit der Freundschaft. Als ich schlafen ging, weigerte Bimbo sich, wie sonst aufs Bett zu springen, wollte mir auch nicht zum Gutenachtsagen die Pfote reichen, sondern setzte sich trotzig auf den harten Sessel neben meinem Bett.
Im kleinen Ofen brannte noch Feuer; jedesmal, wenn eine Flamme hochschoß, sah ich Bimbos vorwurfsvolle Augen starr auf mich gerichtet. In dem flackernden Licht schienen sie immer größer und größer zu werden. Sie leuchteten tief, unergründlich wie ein See, in dessen grünlich schimmernden Fluten schließlich mein Bewußtsein ertrank.
Ich schlief ein.

*

Als ich erwachte, glaubte ich meinen Augen nicht trauen zu dürfen: ich befand mich in einem ungeheuren, weißgetünchten Raum, und zwar saß ich auf Stroh in einem großen Käfig. An den Wänden standen weitere Käfige, in denen ebenfalls Menschen hockten. Im dritten Käfig links erblickte ich zu meinem Erstaunen die gnädige Frau, deren Porträt mich von meinen finanziellen Sorgen befreien sollte. An der gegenüberliegenden Wand aber sah ich Fräulein Mabel, eine junge Dame, die ich sehr verehre. Ihre schönen grauen Augen starrten wehmütig durch die Gitterstäbe zu mir herüber.
Die riesenhafte Tür öffnete sich, und herein traten zwei merkwürdige Wesen. Sie glichen Hunden, hatten jedoch die Größe eines Elefanten. Seltsamerweise verstand ich ihre Sprache und begriff aus ihren Worten, daß ich mich in der Gewalt eines Menschenzüchters befand, der uns alle hier verkaufte, wie sonst Hunde verkauft werden.
Kalte Angst rieselte mir über den Rücken, als der Menschenzüchter und seine Kundin an meinen Käfig traten. Doch warf die Kundin nur einen flüchtigen Blick auf mich und eilte dann mit dem entzückten Ausruf: »Ach, der süße kleine Mensch!« geradewegs auf Fräulein Mabels Käfig zu.
Sie und der Menschenzüchter wurden gar bald handelseins. Ich mußte zusehen, wie das Ungeheuer um Fräulein Mabels schlanken weißen Hals ein Halsband legte und sie an einer himmelblauen Leine hinter sich herzog.
Aber es sollte noch ärger kommen.
Abermals öffnete sich die Tür und herein trat: mein Bimbo! Ihm folgte ein großes, semmelfarbenes Ungeheuer mit dickem Bauch, dem die Haarsträhnen wirr ins Gesicht hingen. (Es schien ein Airedaleterrier-Bastard zu sein.) Das semmelblonde Geschöpf erinnerte mich an jemanden, aber an wen? Plötzlich fiel es mir ein: das ist ja, ins Hündische übersetzt, der Gatte meiner gnädigen Frau, der Herr Senator!
Der Menschenzüchter machte einen Katzenbuckel um den andern und geleitete die beiden Kunden auf die Seite, wo sich mein Käfig befand. Ein Hoffnungsschimmer erhellte das Dunkel meiner Verzweiflung: vielleicht wird Bimbo, mein lieber, guter Bimbo mich kaufen! Dann aber fiel mir ein, wie sehr ich ihn am vorhergegangenen Tag gekränkt hatte, und der Hoffnungsschimmer erlosch.
Die dröhnende Stimme des Herrn Senators füllte den Raum.
»Ich will einen rassereinen Menschen. Einen, mit dem man sich auf der Straße zeigen kann.«
Der Menschenzüchter führte ihn zu meinem Käfig.
»Rasserein muß er sein«, wiederholte der Herr Senator. »Und wachsam.«
Bimbo trat an den Käfig, in dem die gnädige Frau saß.
»Das ist etwas für mich«, erklärte er. »Ich suche einen fetten Menschen, das steigert den Kredit. Führt man so einen Menschen durch die Straßen, so sagen die Leute: ›Ein Hund, der seinen Menschen so gut füttern kann, muß Geld haben‹.«
»Aber dieses Menschenweib ist nicht rasserein«, sprach der Herr Senator.
Bimbo rümpfte verächtlich die lange, schwarze Schnauze: »Darauf brauche ich nicht zu achten«, entgegnete er etwas arrogant. »Ich kann es mir leisten, mich auch mit einem nicht rassereinen Menschen zu zeigen. Ich verlange Fett, wegen des Kredits, und - aus Gründen der Ethik: eine schöne Seele. Das Fett sehe ich, und da ich häufig Gelegenheit hatte, diese Menschenfrau von Güte, Menschlichkeit und allem Erhabenem schwärmen zu hören, nehme ich an, daß auch die schöne Seele vorhanden ist.«
»Bimbo!« rief ich warnend. »Das war doch alles nur Geschwätz! Kaufe diese Frau nicht. Sie ist eitel, verlogen, kleinlich, hat überhaupt keine Seele!«
»Kusch!« schrie mich der Menschenzüchter an. »Was ist das für ein abscheuliches Gekläff!«
Ich schwieg beschämt und es fiel mir schwer aufs Herz, wie oft ich den lieben Bimbo angeschrieen hatte, wenn er mir oder seinen Freunden durch Bellen etwas mitteilen wollte.
Bimbo machte mit seinem buschigen Schwanz eine vornehm nachlässige Gebärde: »Also ich kaufe diese Menschenfrau. Schicken Sie sie mir am Nachmittag in die Oststraße, Nummer 408.«
Der Menschenzüchter verbeugte sich ehrfürchtig. Dann kehrten die drei zu meinem Käfig zurück.
»Sie waren doch früher bei diesem Menschen«, wandte der Herr Senator sich an Bimbo. »Können mir demnach über ihn Auskunft erteilen. Ist er ehrlich?«
»Wenn Sie darunter die grobe, alltägliche Ehrlichkeit verstehen, kann ich Ihre Frage bejahen«, entgegnete Bimbo. »Sie können ihn, selbst wenn er hungrig ist, getrost allein neben einem gedeckten Tisch lassen. Er wird nichts stehlen. Aber die höhere Ehrlichkeit fehlt ihm völlig. Er ist imstande, um eines finanziellen Gewinns willen seine künstlerische Überzeugung zu verleugnen und…«
»Das interessiert mich nicht«, unterbrach ihn der Herr Senator. »Und wie ist er sonst?«
»Eitel, egoistisch, dabei gutmütig und liebebedürftig, launenhaft, mit einem Wort: ein richtiger Mensch!«
O, Bimbo, Bimbo, konnte ich ahnen, daß an meinem Tisch ein so strenger Richter saß, daß ein so guter Menschenkenner mich freudig wedelnd begrüßte, wenn ich heimkam?
»Und rasserein?« kehrte der Herr Senator zu seiner größten Sorge zurück.
»Vollkommen«, beruhigte ihn der Menschenzüchter. »Ich kann Ihnen den Stammbaum vorlegen. Er geht bis auf den Urgroßvater zurück.«
»Ist er wachsam?« fragte mein künftiger Herr weiter.
»Bisher wurde er zu derlei Diensten nicht verwandt. Doch ist er klug und anstellig und dürfte alles nötige bald erlernen.«
Der Herr Senator trat noch näher an meinen Käfig und betrachtete mich von oben bis unten.
»Schön ist er gerade nicht«, bemerkte er mit unnötiger Aufrichtigkeit.
»Aber echt!« tröstete der Menschenzüchter begeistert.
»Gut, ich kaufe ihn. Werde ihn gleich mitnehmen.«
Nun wurde auch mir ein Halsband angelegt. Es war zu eng und scheuerte mir den Nacken wund. Ich protestierte. Mein neuer Herr sprang erschrocken zurück.
»Hören Sie doch, wie er knurrt!« schrie er empört. »Wenn er bissig ist, nehme ich ihn nicht.«
Der gute Bimbo kam mir zu Hilfe.
»Das Halsband würgt ihn«, erklärte er. »Ich kenne das; es ist äußerst unangenehm.«
Dabei kam es mir vor, als blickten mich seine grünen Augen vorwurfsvoll an.
Ich konnte mich nicht länger beherrschen: »Bimbo!« rief ich. »Du weißt doch, daß wir damals kein Geld hatten, als dir das Halsband zu eng geworden war. Vom ersten Geld, das ich erhielt, kaufte ich dir ein neues.«
»Weshalb bellt er denn jetzt?« brummte der Herr Senator ärgerlich.
»Nichts, nichts«, begütigte Bimbo. »Geben Sie ihm ein größeres Halsband«, gebot er dem Menschenzüchter.
Dieser gehorchte. Der Herr Senator zahlte, verabschiedete sich von Bimbo, packte meine Leine und zerrte mich hinter sich her.
Wir schritten durch die Straßen. Als wir um eine Ecke bogen, sah ich zu meiner Freude das Ungeheuer mit Fräulein Mabel vor einem Juwelierladen stehen. Ich lief auf meine Freundin zu und streckte ihr beide Hände entgegen.
Aber der Herr Senator riß mich fort, und das Ungeheuer schlug schimpfend mit dem Regenschirm nach mir.
Wir erreichten die prächtige Villa meines neuen Herrn. Ich war müde und wollte mich eben auf einen bequemen Lehnstuhl setzen, da scheuchte mich der Herr Senator mit einem Fußtritt hinunter.
»Was fällt dir denn ein? Auf einem Sessel sitzen! Marsch unter den Tisch!«
Ich war im Vergleich zu diesem elefantenhaften Geschöpf so klein und hilflos, daß ich nicht wagen durfte, ihm Trotz zu bieten. Traurig und verschreckt kroch ich unter den Tisch und saß auf dem harten, kalten Fußboden.
Nach einer Weile meldete der Diener, daß das Mittagessen serviert sei. Ich freute mich, denn ich war äußerst hungrig. Der Herr Senator gestattete mir, ihm ins Speisezimmer zu folgen.
Köstlicher Speisenduft schlug an meine Nase; ich sah auf dem Tisch erlesene Leckerbissen. Und der Herr Senator aß und aß und dachte gar nicht daran, mir auch nur einen Bissen hinzuwerfen.
Meine Gefühle überwältigten mich.
»Geben Sie auch mir etwas zu essen«, flehte ich. »Ich sterbe vor Hunger.«
»Jetzt bellt er schon wieder! Pfui! Ein anständiger Mensch bettelt nicht. Kusch dich!«
Der riesige Fuß des Herrn Senators hob sich drohend, und ich floh in eine Ecke.
Nun servierte der Diener Rostbraten, eine Speise, die ich besonders gern esse. Unbemerkt schlich ich mich von neuem zum Tisch. Welch ein Glück! Der Herr Senator studierte eben den Kurszettel, sah und hörte nichts. Ich richtete mich geräuschlos auf und riß ihm das Fleisch vom Teller. Leider klirrte dabei die Gabel, mein Herr fuhr auf, sah den leeren Teller und sah auch mich mit vollen Backen kauen.
Die Schläge, die ich nun erhielt, erinnerten mich an die traurigsten Tage meiner Jugend, da der Lehrer die ganze Bitterkeit eines armseligen, enttäuschten Lebens in seine Schüler hineinprügelte.
Auf das Mittagessen folgte ein endloser, tödlich langweiliger Nachmittag. Ich mußte unter dem Tisch liegen und durfte mich nicht rühren. Sagte ich ein Wort, so wurde ich angeschrien; erhob ich mich, um meine steifen Glieder ein wenig zu strecken, so scheuchte mich der furchtbare Fuß wieder in meine Ecke zurück.
Draußen schien strahlend die Sonne. Sehnsucht nach frischer Luft, nach Bewegung kam mich an. Leise schlich ich zur Tür, aber ach, die Klinke, der Größe des Herrn Senator angemessen, war für mich unerreichbar. Ich erkannte mit Entsetzen, daß ich tatsächlich ein Gefangener war. Ich darf nur dann ausgehen, essen, sprechen, mich rühren, wenn es ihm, meinem neuen Herrn, genehm ist. Bin ein Gefangener. Unerträglich!
In meiner Verzweiflung begann ich leise vor mich hin zu weinen.
Der Herr Senator schrak aus seinem Verdauungsschläfchen auf, das nun bereits zwei Stunden währte. Sein rundes Gesicht färbte sich rot vor Zorn.
»Verfluchtes Tier! Wirst du mit dem Gewinsel aufhören!«
Der furchtbare Fuß nahte drohend; plötzlich konnte ich meine Wut nicht länger beherrschen und biß zu.
Der Herr Senator schrie wie am Spieß, obgleich meine Zähne nicht einmal in sein Fleisch gedrungen waren. Ich wurde abermals geprügelt und dann mit der Leine an das Tischbein gebunden.
So schlichen die Stunden dahin.
Am Abend ging mein Herr aus, und das zottige Ungeheuer, das bei Tisch serviert hatte, band mich los. Es war ein freundliches Ungeheuer, fuhr mir streichelnd über den Kopf und nannte mich mit sanfter Stimme: »Armer Mensch.«
Ich hätte für es in den Tod gehen können.
Die Nacht sank herab. Das Zimmer wurde dunkel, nur von außen warf eine Bogenlampe einen blassen Lichtschein herein. Die Glieder schmerzten mich vom unbequemen Liegen auf dem harten Fußboden, der große Lederfauteuil streckte mir einladend die Arme entgegen. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, setzte mich hinein, seufzte erleichtert auf, dehnte mich behaglich und schlief ein.
Ein Bleigewicht fiel auf meine Brust, etwas drückte, preßte mich nieder, daß mir der Atem ausging…
Der Herr Senator war heimgekehrt und hatte sich in seiner weinseligen Zerstreutheit auf mich gesetzt! Ich keuchte, rang mit ihm, versuchte vergeblich, ihn abzuschütteln und - erwachte.
Blasser Mondschein erfüllte die Stube; im fahlen Licht sah ich Bimbo auf meiner Brust sitzen und mich mit seinen unergründlichen Augen anstarren.
Sobald er bemerkte, daß ich wach war, sprang er vom Bett, setzte sich auf den Sessel, ohne jedoch die Augen von mir zu wenden.
»Bimbo«, sprach ich, »du hast dich an mir gerächt. Nun weiß ich, wie wir Menschen euch Hunden das Leben vergällen. Komm, sei wieder gut.« Und ich streckte die Hand nach ihm aus.
Aber Bimbo verharrte reglos.
»Bimbo«, schmeichelte ich, »das Feuer ist ausgegangen. Die Stube ist kalt. Willst du nicht unter die Decke kommen?«
Ich spähte fast angstvoll nach Bimbos buschigem Schwanz. Wird er ihn nicht bewegen? Mir durch ein Wedeln zu verstehen geben, daß er mir verziehen hat?
Nein, die kleine, graue, seidige Gestalt verharrte reglos, wie aus Stein.
»Bimbo«, bat ich, »sei doch nicht so hart. Du darfst mich nicht so streng beurteilen, mußt daran denken, daß ich ja nur ein Mensch bin.«
Da begann Bimbo zu wedeln, zuerst langsam, herablassend, dann immer stärker und freundschaftlicher. Und als ich abermals die Arme nach ihm ausstreckte, sprang er mit einem Satz aufs Bett und leckte mir zum Zeichen der Versöhnung mit der warmen Zunge die Nase.