
Neuauflage des seit seiner Erstauflage 1936 nicht
wieder erschienenen Geschichtenbuches der wohl bedeutendsten unter den
vergessenen österreichischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts,
die Insidern heute vor allem noch als Exponentin des sozialistisch-aufklärerischen
Unterhaltungsromanes und als Übersetzerin ein Begriff ist.
»›Fahrt ins Licht‹ sammelt 66 Erzählungen,
die wie geschaffen dafür sind, unterschätzt zu werden (…) Und
doch zeigt gerade dieser Sammelband die einst von vielen Bewunderern wie
Egon Erwin Kisch und strengen Kunstrichtern wie Karl Kraus gerühmte
Erzählkunst der Autorin (…). Immer ist sie mit einem einzigen Satz
mitten drin in der Geschichte, die sie erzählen möchte und die
sie ohne rhetorischen Kraftaufwand mit kluger Erzählökonomie
rasch vorantreibt. Ihre Geschichten spielen in der Wiener Vorstadt oder
an der Riviera, sie handeln von Arbeiterinnen, die sich aus dem Elend herausarbeiten
möchten, und von Gräfinnen, die um ihr Leben betrogen werden,
von italienischen Köchen und amerikanischen Zeitungsmillionären,
von Verzweifelten, die aus der Nacht ihrer Ängste ins Irrenhaus entfliehen,
und von wahren Irren, die mitsamt ihrer gräßlichen Normalität
ein reputierliches Leben in der guten Gesellschaft führen…«
Karl-Markus Gauß
Die Autorin
geb. 1883 als Hermynia de Crenneville in Wien,
gestorben 1951 in Radlett/ England.
1907 Heirat mit einem baltischen Grafen, 1919
Übersiedlung nach Berlin, seit 1921 Publizistin, Übersetzerin
aus dem Russischen, Französischen und Englischen (u. a. des Gesamtwerks
von Upton Sinclair), Autorin von Märchen, Kinder- und Jugendbüchern,
Kriminalromanen, sozialistisch und antfaschistisch engagierter Gesellschaftsromanen
und von Kurzgeschichten; 1933 Rückkehr nach Wien, 1938 Emigration
in die Slowakei, dann nach England, wo sie ihre Bücher in englischer
Sprache schreibt; nach dem Krieg wollte sie nach Wien zurückkehren,
wurde aber (wie viele Exilautoren) von der herrschenden Kulturlobby bekämpft.
Wichtigste Werke: »Ende und Anfang«
(1929,
Erinnerungsbuch); »Unsere Töchter, die Nazinen«
(1935,
Roman); »Die Fahrt ins Licht« (1936, Erzählungen);
»We
Poor Shadows« (1944, Exilantenroman); »Came the Stranger«
(1946 Roman; 1947 und 1996 deutschssprachige Fassung:
»Als der
Fremde kam«); »Kleine Geschichten von großen Dichtern«
(1944, Prosaminiaturen über vergessene sowie von den Nazis ideologisch
mißbrauchte österreichische Dichter wie Ferdinand Sauter, Jakob
Julius David, Grillparzer oder Stifter).